„Wie es scheint, hat der Gärprozess in Minister Poppenhägers Reformkessel nun eingesetzt. Jedenfalls werden die über ganz Thüringen verteilten Risse und Ritzen, aus denen der Dampf zischt, täglich mehr“, schreibt Stephan Brandner, Geraer Landtagsabgeordneter der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD), und spielt damit vor allem auf die Frage von Geras künftigem Status an. „Ich möchte an dieser Stelle gar nicht auf die Frage von Sinn oder Unsinn der geplanten Gebietsreform als solcher eingehen, doch worauf sich z. B. die geforderte Mindesteinwohnerzahl stützt, würde mich schon einmal interessieren. Eine kreisfreie Stadt soll angeblich zukünftig mindestens 100.000 Seelen in ihren Mauern beherbergen. Warum? Weil die Zahl so schön rund ist? Aber warum nicht 130.000, wie die Landkreise? Dann bliebe nur Erfurt kreisfrei und dies wäre irgendwie konsequent. Allerdings müsste man dann auch dem – SPD-geführten – Jena den begehrten Status aberkennen, aber dies traut man sich dann wohl doch nicht. Dabei stellt sich auch gleich die nächste Frage: Warum soll Jena, dessen über 100.000 zählende Einwohnerschaft sich zu großen Teilen aus stetig fluktuierenden Studenten zusammensetzt, gegenüber den knapp 100.000 sesshaften Geraern bevorzugt werden? Ganz abgesehen von den neuesten Zahlen zu Geras tatsächlicher Bevölkerungsentwicklung, die alle bisherigen Prognosen ohnehin quasi über Nacht zu Altpapier gemacht hat.“

Auch auf einen weiteren Umstand, der bisher kaum in der öffentlichen Diskussion auftauchte, weist Brandner hin: „Wenn Gera in einem wie auch immer gearteten Großkreis aufgehen sollte, heißt dies nach meinem Verständnis noch lange nicht, dass es auch ‚Kreishauptstadt‘ wird. Spätestens nach der spektakulären Stadtwerkepleite ist der Ruf unserer Stadt im Umland leider angekratzt und es ist nicht auszuschließen, dass im Rahmen der geplanten (Volks-) Abstimmung über die neuen Kreissitze Gera auch hier den Kürzeren zieht. Und dies hieße, nach den Titeln „Residenz“, „Bezirksstadt“ und „kreisfrei“ bliebe in gar nichts mehr. Eine x-beliebige Stadt im Kreis. Das kann ja nun wirklich niemand wollen!“

Brandner hofft, dass die öffentliche Diskussion jetzt etwas lebhafter in Gang kommt und zugunsten Geras Druck auf das Thüringer Innenministerium erzeugt. Denn dort, so der Abgeordnete, sollte man die ganze Geschichte wohl besser noch einmal gänzlich von vorn anfangen zu denken!