Sehr geehrter Herr Riebartsch,

AfD-Kundgebung stößt auf starken Protest, Musiker spielten die „Ode an die Freude“, AfD-Umzug wurde abgesagt. Das konnte ich auf dem Titelblatt an exponierter Stelle der OTZ lesen.

Diese Informationen waren natürlich sehr wichtig. Beim Durchblättern der OTZ dachte ich, einen Bericht zum Ablauf und Inhalt der Veranstaltung zu finden. Fehlanzeige! Einen Hinweis gab es doch, man kann im Liveticker nachlesen. Warum denn das? War kein Platz mehr für einen kurzen evtl. sogar objektiven Bericht zur Veranstaltung? Nicht alle politisch interessierten Menschen können mit einem Liveticker umgehen.

Das Foto vom Herrn Zippel ist gelungen. Wer nicht dabei war, fällt natürlich auf den angeblichen Frieden herein. Ich stand auf dem Markt und mußte das Gebrüll der Gegendemonstranten ertragen, die aus welchen Gründen auch immer, bis zu den Einmündungen der Straßen zum Markt durch die Polizei vorgelassen wurden. Bei genauerem Hinsehen wurde ich an meine Kindheit und Besuchen im Zoo an eine Horde wilder Affen erinnert, wobei diese zwar die Gebärden der Gegendemonstranten wiedergaben, aber bei weitem nicht so laut waren. Dadurch ist mir leider auch noch die „Ode an die Freude“ entgangen, denn sie wurde schlicht von diesem Affentheater übertönt. Schauen Sie sich doch wegen objektiver Berichterstattung das Gebrüll, pardon, die „Ode an die Freude“ einfach mal selbst an.  https://www.youtube.com/watch?v=Y9wH5LtYqMU

Wie immer verlief auch die Kundgebung der AfD in Jena friedlich. Wobei ich Bedenken hatte, daß durch die löchrigen Polizeiabsperrungen Provokateure (evtl. auch Presse, siehe Köln) auf den Maktplatz gelangen könnten. Ansonsten war die Presse vertreten, ich hatte sogar noch eine nette Plauderei mit dem RTL-Team. Die Inhalte der Reden von Muhsal, Höcke und Gauland dürften Ihnen bekannt sein? Falls nicht, sende ich Ihnen gern den Link. Falls Sie da etwas entdecken, was nicht verfassungsmäßig oder gar „Nazi“ sein sollte, geben Sie mit bitte Bescheid. Durch die Versammlungsleitung wurden wir aufgefordert, den Markt nach Ende der Kundgebung in Gruppen zu verlassen. Da dachte ich Naivling noch, wird schon alles gut gehen. Ging es aber nicht. Es war ein Spießrutenlaufen, wie ich es noch nicht erlebt habe. „Nazis raus-Chöre“ waren beim Verlassen des Marktplatzes ein Höflichkeitsdelikt. Die wüsten Beschimpfungen bis hin zu tätlichen Angriffen, waren hoffentlich nicht durch den Pfarrer König oder gar den Jenaer OB Schröter moralisch unterstützt? Der hatte sich an diesem Tag als OB, der eigentlich neutral für alle Bürger von Jena da sein sollte, einfach frei genommen.

Bei einigen dieser ideologisch verblendeten Jugendlichen konnte ich wegen Vermummung (trotz einschlägigem Verbot) nur die haßerfüllten Augen erkennen. Wer hat denen eigentlich erzählt, AfD-Demonstranten seien Nazis? Hat denen denn niemand gesagt, dass hier erwachsene Bürger ihr Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit nach Artikel 8 GG wahr nehmen? Den Reden zuhören konnten die jungen Leute nicht, dafür war ihr eigenes sinnloses Gezeter einfach zu laut. Vielleicht könnte die OTZ dies mal objektiv, und im Interesse der inneren Friedens, berichten? Mir gruselt vor dem Nachwuchs unseres Landes. Schließlich sollen doch diese Kinder und Jugendlichen, wenn sie mal erwachsen sind, nicht nur meine Rente, sondern auch die Ihre verdienen?

Fazit: Die Sicherheit der Kundgebungsteilnehmer war nicht gewährleistet. Das habe ich auch dem Jenaer OB geschrieben.

Im Gegensatz zu Jena verliefen alle AfD-Kundgebungen und Rundgänge in Gera wohltuend friedlich. Da war eigentlich überhaupt keine Polizei erforderlich. Die AfD ruft immer zu Gewaltlosigkeit auf, folgt strikt den Anweisungen der Polizei, verbietet Symbole anderer Organisationen, duldet keine Hetze (wie „Ausländer raus Rufe“). Könnte die OTZ nicht mal objektiv darüber berichten? Denn „die Ode an die Freude“ war nun wirklich nicht die herausragende Realität in Jena. Mit freundlichem Hinweis auch an ihren Reporter Tino Zippel. Das Problem im Endstadium der DDR war nämlich, dass die erlebte und die in der Presse dargebotene Realität stark voneinander abwichen. Irgendwann, als die Schere zu groß wurde, haben das die Leute gemerkt, und es nicht mehr vergessen.

Deshalb folgender Vorschlag: Vielleicht könnte die OTZ eine Pro- und Contra- Darstellung von Demo-Teilnehmern beider Seiten bringen?

Harald Beer