Der Landtagsabgeordnete Stephan Brander (AfD) zu der vom Landesamt für Statistik herausgegebenen Kreis-Rangliste der Thüringer Industriearbeitsplätze

„An welchen Ort Du auch immer kommst, vergleiche Dich nicht mit anderen, und Du wirst Ruhe finden“ empfahl schon um das Jahr 400 herum der Wüstenvater Abbas Poimen seinen Eremiten-Nachbarn und formulierte damit eine Weisheit, welche auch heute, anderthalb Jahrtausende später, nichts von ihrem Wahrheitsgehalt eingebüßt hat.

Und wenn man Geraer ist und zugleich beabsichtigt, sich die vor kurzem vom Landesamt für Statistik veröffentlichten Zahlen zu den Umsätzen der Thüringer Industrie, geordnet nach Kreisen, anzuschauen, so sollte man sich den Spruch des alten Heiligen zuvor besser noch schnell auf die Schreibtischunterlage kritzeln. Mit der Ruhe ist`s nämlich sonst schnell vorbei!

Man erfährt dort, dass unsere Stadt über 2707 Beschäftigte im Bereich Bergbau und verarbeitendes Gewerbe verfügt und damit an drittletzter Stelle in Thüringen landet, nur noch verfolgt vom weniger als halb so großen Suhl sowie dem kulturellen Sonderfall Weimar. Selbst solche gemeinhin als wirtschaftliche Problemzonen verrufene Regionen wie Altenburg (5466) oder der Kyffhäuserkreis (3709) lassen die einstige Industriestadt Gera weit hinter sich, während z.B. Spitzenreiter Wartburgkreis fast 12.000 Arbeitsplätze vorzuweisen hat.

Noch deutlicher wird die Tabelle, wenn man sich die Spalte „Entgelte“ etwas genauer anschaut. Da nämlich ist zu lesen, dass die Geraer Industriebeschäftigten rund 18 Mill. Euro an Kaufkraft nach Hause tragen, wohingegen sich die Einwohnerschaft im benachbarten Greiz am doppelten, 36 Mill., erfreuen darf! Und der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt – auch nicht gerade (mehr) als kohlegeschwärztes Industrierevier verschrien – bringt es gar auf 63 Mill. Euro Entgelt aller Beschäftigten in Industrie und Bergbau. (Spitze auch hier der Wartburgkreis mit 100 Millionen!)

Kurzum: In keiner anderen Region Thüringens hat die Entindustrialisierung der vergangen Jahrzehnte, gepaart mit Versäumnissen bei der Neuetablierung von verarbeitendem Gewerbe, auch nur annähernd solche Ausmaße angenommen wie in Gera, und so nimmt es nicht wunder, dass die Finanzmisere der Stadt einfach nicht in den Griff zu bekommen ist. Die Statistik zeigt – wieder einmal – ungeschminkt und in aller Deutlichkeit, dass es mit kleinen finanzkosmetischen Eingriffen auf Dauer nicht getan sein wird im Rathaus am Kornmarkt.

Die industrielle Wirtschaftskraft in unserer Stadt hinkt dem Rest des Freistaates nicht mehr nur hinterher, sie kriecht auf dem Bauch, und solange dies so ist, solange sich der aus der zitierten Statistik herauszulesende Abstand nicht wenigstens deutlich verringert, bleiben alle Sparmaßnahmen, so wichtig und richtig sie im einzelnen auch sein mögen, nicht viel mehr als ein Pfeifen im Walde.