Am gestrigen Abend war ich zu der Vortrags- und Podiumsveranstaltung in der katholischen St-Johannes-Baptist-Gemeinde vom Familienverbund der Katholiken und dem INSA e.V. in Jena eingeladen worden.

Eingeleitet wurde der Abend durch eine humorvolle Männerchor-Interpretation von Herbert Grönemeyers „Männer“, die im ganzen Saal für Amüsement sorgte.

Nach dem ausgesprochen gelungenen Vortrag von Birgit Kelle, die gewohnt pointiert die aktuelle fehlgeleitete und einseitig auf den Arbeitsmarkt ausgerichtete Familienpolitik in Deutschland kritisierte und die Hindernisse während ihres eigenen Lebensweges als Mutter beschrieb, diskutierte ich mit der Gleichstellungsbeauftragten des Freistaates Thüringen, Johanna Arenhövel (CDU), und Frau Kelle selbst über die Stellung der Familie in Politik und Gesellschaft.

Meine Mitdiskutanten und ich stellten aufgrund unserer persönlichen Erfahrungen als Mütter fest, dass insbesondere junge Mütter und solche, die bei ihren Kinder jahrelang zu Hause bleiben, von ihrem Umfeld in eine Rechtfertigungshaltung versetzt werden.
Neben einer gewissen Verachtung für „Frauen (oder Männer) am Herd“ ist die Familie vor allem mit finanziellen Hemmnissen bei der Wahl der Betreuungsart konfrontiert.
Während der Bund etwa KiTa-Plätze monatlich mit 1200 Euro pro Kind subventioniert und damit eine Wahl bereits vorwegnimmt, plant die rot-rot-grüne Regierungskoalition in Thüringen die Abschaffung des Landeserziehungsgeldes. Ich setze mich hingegen im Thüringer Landtag für den Erhalt und den Ausbau zu einem monatlich zu zahlenden Familiengeld ein. Es gibt zahlreiche Menschen, vor allem auch Studenten mit Kind, die hierdurch in die Lage versetzt würden, eine eigene und zumal flexible Betreuungsart zu wählen und mit dem Familiengeld zu finanzieren.

Frau Kelle berichtete ausführlich über das erhöhte Armutsrisiko von Eltern mit mehr als zwei Kindern und die Schieflage im Rentensystem, welches keine Berücksichtigung in der Rentenanspruchsberechnung der Kinderzahl kennt und Elternteile, die auf eine Arbeitsstelle beispielsweise für die Kindererziehung oder aber auch die Pflege von Angehörigen verzichteten, der Gefahr von Altersarmut aussetzt.

Vor diesem Hintergrunde wirke die Fixierung auf Randthemen wie Gender-Vielfalt in Politik und Medien nur noch grotesk.

Mir hat dieser Abend trotz der zur Zeit ernüchternden „Familienpolitik“ in Thüringen sehr viel Freude bereitet und mich inhaltlich angeregt. Ich bedanke mich herzlich für die Einladung und die angenehme Atmosphäre vor Ort!
Meine Fraktion wird sich weiterhin für die Stärkung der Interessen der Familien im Landtag einsetzen.