„Die Zeit, so scheint es, macht eben auch vor Friedensbewegungen nicht halt!“ stellt Stephan Brandner, Thüringer Landtagsabgeordneter der Alternative für Deutschland, fest und spielt damit auf die mageren Teilnehmerzahlen an, mit denen sich die Organisatoren der diesjährigen Ostermärsche begnügen mussten.
„Wer von uns – so er denn damals schon unter die Erwachsenen zählte – erinnert sich nicht noch genau an die Bilder aus den achtziger Jahren, als Jahr für Jahr Hunderttausende durch die Straßen westdeutscher Großstädte zogen, hat nicht noch solche Begriffe wie Natodoppelbeschluss, Pershing II oder SS 20 im Kopf, mit welchen Russen und Amerikaner damals ihr Gleichgewicht des Schreckens einmal mehr neu zu justieren versuchten?
Dass die Proteste dabei mit auffallender Konsequenz einseitig blieben – einseitig antiwestlich nämlich – konnte der aufmerksame Beobachter, wenn er es denn sehen wollte, auch damals schon verwundert registrieren. Transparente, Reden, Sprechchöre – stets war klar, wo der Feind stand! Dass es die Sowjets waren, welche mit der Stationierung ihrer SS 20-Mittelstreckenraketen der Rüstungsspirale neuen Schwung verliehen hatten, wurde von den allermeisten der postachtundsechziger Protagonisten ebenso ignoriert wie die Tatsache, dass im Osten Deutschlands jede Form ähnlichen Protestes das Risiko einer Reise nach Bautzen in sich trug.
Heute weiß man, dass die Hintermänner und Geldgeber der alljährlichen Großaktionen zu einem Gutteil in der Berliner Normannenstraße saßen und von dort aus die Friedensbewegung beim Klassenfeind längst unterwandert hatten. Zur damaligen Zeit aber war das für kaum jemanden vorstellbar!“
Und dann schlägt Brandner wieder den Bogen zurück in die Gegenwart und versucht, die Ursachen des heutigen Gleichmutes zu ergründen.
„Und heute? Achtzig Teilnehmer hier, ein paar hundert in Ehren ergraute Demonstranten da- zumeist war`s das auch schon, was sich aus dem Hause wagte. Und das zu einer Zeit, in der die bewaffneten Konflikte wie auch die Potentiale für Solche in Zahl und Intensität ein derartiges Ausmaß angenommen hat, dass man Gefahr läuft, den Überblick zu verlieren. Denn wer sieht schon noch wirklich durch in dem medialen Begriffsnebel aus al-Kaida und Drogenkrieg, NSA und Cyberangriff, Ukraine, Krim und Kalifat?“
Stephan Brandner appellierte an Wachsamkeit und Vernunft jedes Einzelnen und bezeichnete diese beiden Dinge als „…nichts weniger als eine moralische Pflicht für jeden Staatsbürger!“
Und er erinnerte vor dem Hintergrund des Osterfestes daran, dass der Frieden in Europa und das fragile Gebilde Namens Freiheit, in dem wir leben, alles andere sind als selbstverständlich.
„Schon einmal – von 1871 bis 1914 – lebten die Menschen in einer Epoche des Friedens, des Fortschritts und des stetig steigenden Wohlstandes!“ erinnerte der Abgeordnete. „ Und die Geschichte brauchte nichts als ein paar Eitelkeiten und eine handvoll mäßig begabter Männer, um das Tor zur Hölle zu öffnen!“