Seit dem 10.04.2014 werden zum ersten Mal seit vier Jahren wieder griechische Staatsanleihen auf dem Kapitalmarkt gehandelt. Mehr oder weniger zufällig ist Bundeskanzlerin Merkel am 11.04.2014 in Athen, um diesen vermeintlichen Fortschritt auf dem Weg aus der griechischen Schuldenkrise zu begrüßen. Das ist kein Fortschritt. Es zeigt nur, dass Banken, Fonds und andere Finanzjongleure Risiken erfolgreich auf die Steuerzahler der Eurozone, also massiv auf Deutsche, abwälzen konnten. Mit ESM, EZB und anderen tollen „Institutionen“ stehen wir für auch die neuen griechischen Staatsschulden gerade. Die Verluste von ESM und EZB u. a. trägt nämlich der Steuerzahler. Deshalb können die Finanzanleger nahezu unbesorgt sein, obwohl die Fundamentaldaten alarmierend sind: Die griechische Schuldenquote ist heute sogar höher als 2010 und das griechische Sozialprodukt ist um 25% gesunken. Hedgefonds und Banken können griechische Anleihen als Rundum-Sorglos-Paket erwerben. Weil sie dabei sogar noch 5% Zinsen kriegen, machen sie vor Freude Luftsprünge. Auch die Zinsen zahlen wir Steuerzahler, während unsere eigenen, risikobehafteten Kredite an Griechenland nur etwa 1% verzinst werden und z. B. deutsche Lebensversicherungen auch so gut wie keine Rendite mehr abwerfen. Der Gang Griechenlands an den Kapitalmarkt ist ein Potemkinsches Dorf, dessen Kulissen eine große Umverteilung von den Steuerzahlern zu den Finanzanlegern verdeckt!

 

Stephan Brandner